Dr. Ulrike Wrobel

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Nonverbale Kommunikation

 

Was genau unter „nonverbaler Kommunikation“ (nvK) zu verstehen ist, wird kontrovers diskutiert: Über Umfang und Geltungsbereich des Begriffes nvK existieren unterschiedliche Auffassungen. Manche Forscher verstehen darunter lediglich die sichtbaren Kommunikationsmittel, andere zählen auch hörbare stimmliche Eigenschaften wie Lautstärke, Sprechgeschwindigkeit oder Klangfarbe hinzu.

 

Die Grenzen des Forschungsgebietes sind unscharf: Ob zum Beispiel Kleidung, Frisur, oder Make-up zur nvK zählen, ist umstritten. Unsicherheit besteht auch in Bezug auf die Abgrenzung zu anderen Forschungsgebieten wie der Anthropologie, der Zoologie, der Proxemik, der Mensch-Maschine-Interaktion oder den Theater- und Sprechwissenschaften.

 

Eine Ursache für diese Unklarheiten liegt in der Benennung des Forschungsgebietes. „Nonverbale Kommunikation“ ist eine negative Bestimmung: Es wird nicht gesagt, um was es sich handelt, sondern nur darum, um was es sich nicht handelt, nämlich um verbale Kommunikation. Das Wort verbal stammt vom Lateinischen verbum „das Wort“. Übersetzt bedeutet der Terminus nvK also „nicht wortbezogene Kommunikation“. Es stellt sich daher die Frage, was „nicht wortbezogen“ genau sein soll – und was eben nicht.

Die technische Seite der Analyse nonverbaler Kommunikation

 

Der Kernbereich der nonverbalen Kommunikation sind Bewegungen des Körpers – mit Ausnahme der Bewegungen der Zunge und anderer Artikulationsbewegungen, die zur Erzeugung von Schall verwendet werden (denn diese werden ja im Allgemeinen zur verbalen Kommunikation gerechnet).

 

Genau so wie die Artikulationsbewegungen beim Sprechen sind die Bewegungen des Körpers flüchtig: Das Wort, der Gesichtsausdruck, die Kopfneigung und die Geste sind im Moment des Äußerns quasi sofort schon wieder verschwunden. Das menschliche Gedächtnis eignet sich nur in beschränkten Maße, derartige Bewegungs-Informationen sicher abzuspeichern. Um kommunikative Bewegungen analysieren zu können, muss man sie deshalb erst einmal verdauern/ haltbar machen. Dafür ist ein Foto nicht geeignet, weil es eine rein statische Wiedergabe liefert und sich dreidimensionale Bewegungen nicht ohne Informations-Verluste auf einem zweidimensionalem Papier oder Bildschirm erfassen lassen. Eine dynamische Wiedergabe durch einen Film ist die beste Lösung, nonverbale Kommunikation aufzubewahren.

 

Erst in diesem Jahrtausend wurde ein Computerprogramm entwickelt, das diese Ansprüche befriedigt und sich deshalb für die Analyse nonverbaler Kommunikation eignet. Das Programm erlaubt, einen Film abzuspielen und die einzelnen Mittel der nonverbalen Kommunikation auf unterschiedlichen, selbst definierbaren Ebenen zu beschreiben. Die Beschreibung ist die Grundlage der Analyse. Das Programm heißt ELAN und ist im Jahr 2001 vom Max-Planck-Institut Nijmegen entwickelt worden (siehe Literatur und Link).

 

Der folgende Screenshot zeigt einen Ausschnitt einer Analyse der von Donald Trump in seiner Antrittsrede verwendeten Gesten.